Im März 2026 stand Graz wieder stark im Zeichen des österreichischen Films. Die Diagonale 2026 fand vom 18. bis 23. März 2026 statt. Im Rahmen des Festivals wurden auch die Drehbuchpreise vergeben: der Thomas-Pluch-Drehbuchpreis sowie der Carl-Mayer-Drehbuchpreis. Die zuvor vergebenen Drehbuchpreise waren laut Filmfonds Wien insgesamt mit 44.500 Euro dotiert. (Filmfonds Wien)
Besonders passend für Drehbuchautor:innen: Das Thema des Carl-Mayer-Drehbuchpreises 2026 lautete „Tempo“. Der Hauptpreis ging an Peter Pflügler für „Hans –or– Don’t Bury Me in the Grave of My Father“, der Förderpreis an Reza Rasouli für „Wurzel und Wind“. (Diagonale)
Das ist ein perfekter Anlass, über eine Frage nachzudenken, die beim Schreiben oft falsch verstanden wird:
Was bedeutet Tempo in einem Drehbuch wirklich?
Viele denken bei Tempo zuerst an Geschwindigkeit.
Kurze Szenen.
Schnelle Schnitte.
Viel Handlung.
Viele Wendungen.
Ständige Bewegung.
Keine Pausen.
Das kann Tempo erzeugen. Aber es ist nicht automatisch gutes Tempo.
Ein Drehbuch kann sehr schnell sein und trotzdem langweilen.
Ein Drehbuch kann langsam sein und trotzdem fesseln.
Tempo ist nicht nur die Frage, wie schnell etwas passiert.
Tempo ist die Frage, wann etwas passiert, warum es passiert und welche Wirkung es auf die Geschichte hat.
Eine langsame Szene kann enorme Spannung haben, wenn wir spüren, dass etwas Unausgesprochenes im Raum steht. Eine schnelle Szene kann leer wirken, wenn sie nur Ereignisse aneinanderreiht, ohne dass sich etwas verändert.
Deshalb ist Tempo nicht einfach Geschwindigkeit.
Tempo ist Bedeutung in Bewegung.
Eine Szene wirkt nicht dadurch lebendig, dass viel passiert. Sie wirkt lebendig, wenn innerer Druck entsteht.
Zwei Figuren können zehn Minuten an einem Tisch sitzen und trotzdem Spannung erzeugen, wenn eine von ihnen etwas verheimlicht, die andere es ahnt und beide so tun, als ginge es um etwas Harmloses.
Umgekehrt kann eine Verfolgungsjagd langweilig sein, wenn wir nicht wissen, was wirklich auf dem Spiel steht.
Die wichtigste Frage lautet also nicht:
Wie mache ich die Szene schneller?
Sondern:
Was steht in dieser Szene unter Druck?
Eine Figur will etwas.
Eine andere blockiert es.
Eine Wahrheit droht sichtbar zu werden.
Eine Entscheidung rückt näher.
Eine Beziehung verändert sich.
Eine Lüge hält nicht mehr.
Ein Wunsch kollidiert mit Angst.
Dort entsteht Tempo.
Nicht durch Lautstärke.
Nicht durch hektische Handlung.
Sondern durch Spannung zwischen Wunsch und Widerstand.
In der Jurybegründung zum Carl-Mayer-Förderpreis für „Wurzel und Wind“ wird beschrieben, dass sich ein rasant verschachteltes, multiperspektivisches Drama entfaltet, in dem jede kleine Geste und jedes Detail Konsequenzen nach sich zieht. (Diagonale)
Das ist eine starke Form von Tempo.
Nicht unbedingt, weil alles äußerlich schnell sein muss. Sondern weil jede Entscheidung Folgen hat.
Genau das brauchen Drehbücher.
Wenn eine Szene keine Konsequenz hat, wirkt sie oft langsam — selbst wenn sie kurz ist.
Wenn eine Szene eine Folge auslöst, kann sie lange dauern und trotzdem tragen.
Tempo entsteht also durch Kausalität:
Weil diese Figur etwas tut, passiert das.
Weil sie schweigt, versteht jemand etwas falsch.
Weil sie lügt, muss sie später noch mehr lügen.
Weil sie hilft, gerät sie selbst in Gefahr.
Weil sie zu spät kommt, verändert sich die Beziehung.
Eine Geschichte bekommt Tempo, wenn die Szenen nicht nebeneinander stehen, sondern einander antreiben.
Drehbuchautor:innen sollten Pausen nicht fürchten.
Manchmal braucht eine Geschichte einen Moment, in dem nichts Spektakuläres passiert. Eine Figur schaut aus dem Fenster. Jemand räumt nach einem Streit den Tisch ab. Zwei Menschen sitzen nebeneinander und finden keine Worte.
Solche Momente können schwach sein, wenn sie nur Leerlauf sind.
Aber sie können sehr stark sein, wenn sie eine Veränderung sichtbar machen.
Eine Pause nach einer Entscheidung.
Ein Schweigen nach einer Lüge.
Ein Blick nach einer Verletzung.
Ein Atemzug vor einem Geständnis.
Auch das ist Tempo.
Denn Tempo bedeutet nicht, dass immer etwas Neues passieren muss. Tempo bedeutet, dass der Zuschauer spürt, wofür ein Moment da ist.
Wenn eine Pause Bedeutung hat, trägt sie.
Wenn eine Pause keine Bedeutung hat, bremst sie.
Am 23. März 2026 wurden im Rahmen der Diagonale auch die Thomas-Pluch-Drehbuchpreise vergeben. Der Hauptpreis ging an Markus Schleinzer und Alexander Brom für „Rose“. Der Spezialpreis der Jury ging an Magdalena Chmielewska für „Teresas Körper“, der Preis für kurze oder mittellange Kino-Spielfilme an Angelika Spangel und Sophia Wiegele für „Ein Unfall“. Der Thomas-Pluch-Drehbuchpreis ist mit insgesamt 22.000 Euro dotiert. (BMWKMS)
Solche Preise sind wichtig, weil sie sichtbar machen, dass Drehbücher nicht nur Vorstufen sind. Sie sind eigenständige künstlerische Arbeit.
Gerade die Jurybegründungen zeigen oft, worauf beim Lesen geachtet wird:
Präzision.
Figurenführung.
Ton.
Struktur.
Dramaturgische Souveränität.
Das Nicht-Gesagte.
Die Fähigkeit, beim Lesen Bilder entstehen zu lassen.
Das ist für Communitys sehr lehrreich.
Denn gute Drehbucharbeit ist nicht nur „eine gute Idee haben“. Gute Drehbucharbeit zeigt sich in der Ausführung.
In der Szene.
Im Rhythmus.
Im Übergang.
Im Detail.
Im Weglassen.
Viele Drehbücher sind nicht zu langsam, weil zu wenig passiert.
Sie sind zu langsam, weil zu viel erklärt wird.
Figuren sagen, was man längst verstanden hat.
Szenen beginnen zu früh und enden zu spät.
Nebenhandlungen wiederholen dasselbe Thema.
Informationen werden doppelt gegeben.
Konflikte werden erklärt, statt gespielt.
Tempo verbessert man oft nicht, indem man mehr Handlung einfügt.
Tempo verbessert man, indem man genauer auswählt.
Wo beginnt die Szene wirklich?
Wann ist der Moment erreicht, in dem sie enden kann?
Welche Information braucht das Publikum jetzt?
Welche kann später kommen?
Welche muss nie gesagt werden, weil man sie sieht?
Drehbuchschreiben ist auch die Kunst, Vertrauen zu haben: Vertrauen in Bilder, in Verhalten, in Subtext und in das Publikum.
Tempo ist schwer allein zu beurteilen.
Beim eigenen Text weiß man, was gemeint ist. Man kennt die Vorgeschichte. Man spürt die Absicht. Deshalb merkt man oft nicht, wo andere aussteigen.
Eine Drehbuch-Community kann hier sehr konkret helfen.
Statt allgemein zu sagen:
„Das ist zu langsam.“
kann man genauer fragen:
Wo hast du beim Lesen Energie gespürt?
Wo hast du angefangen zu überfliegen?
Welche Szene verändert wirklich etwas?
Welche Szene wiederholt nur, was wir schon wissen?
Wo kommt eine wichtige Information zu spät?
Wo kommt sie zu früh?
Welche Pause hatte Wirkung?
Welche Pause war Leerlauf?
So wird Tempo besprechbar.
Nicht als Geschmack.
Sondern als Wirkung.
Drehbücher arbeiten mit Erwartung.
Man gibt dem Publikum eine Frage:
Wird sie die Wahrheit sagen?
Kommt er rechtzeitig?
Findet die Familie heraus, was passiert ist?
Wird die Lüge halten?
Wird die Figur sich entscheiden?
Werden die beiden sich verraten?
Tempo entsteht dadurch, wie lange man diese Frage offenhält.
Zu kurz — und es entsteht keine Spannung.
Zu lang — und das Publikum verliert Geduld.
Genau richtig — und die Geschichte zieht.
Das ist Handwerk.
Man muss lernen, Informationen zu dosieren. Nicht alles sofort. Aber auch nicht alles künstlich verstecken. Das Publikum darf neugierig sein, aber nicht orientierungslos.
Ein Drehbuch mit gutem Tempo weiß, wann es Antworten gibt — und wann es neue Fragen öffnet.
Nimm eine Szene aus deinem aktuellen Projekt und markiere drei Stellen:
1. Der Einstieg:
Wo beginnt die Szene wirklich? Kannst du die ersten Zeilen streichen?
2. Die Veränderung:
Was ist am Ende anders als am Anfang?
3. Der Ausstieg:
Endet die Szene im richtigen Moment — oder erklärst du danach noch weiter?
Dann schreibe die Szene in zwei neuen Versionen:
Version A: 30 Prozent kürzer.
Version B: mit einer bewussten Pause an der stärksten Stelle.
Vergleiche beide Versionen.
Welche hat mehr Druck?
Welche lässt mehr Raum?
Welche macht neugieriger auf die nächste Szene?
Wann empfindet ihr eine Szene als langsam?
Wenn wenig passiert?
Wenn zu viel erklärt wird?
Wenn die Figur kein Ziel hat?
Wenn keine neue Frage entsteht?
Wenn die Szene keine Konsequenz hat?
Und umgekehrt:
Welche ruhige Filmszene hat euch trotzdem gefesselt?
Solche Fragen helfen, Tempo nicht nur als Geschwindigkeit zu verstehen, sondern als dramaturgische Wirkung.
Der März 2026 erinnert daran, dass Drehbuchtempo viel mehr ist als schnelle Handlung.
Die Diagonale machte Drehbucharbeit sichtbar. Der Carl-Mayer-Drehbuchpreis stellte mit dem Thema „Tempo“ eine zentrale dramaturgische Frage. Und die Thomas-Pluch-Drehbuchpreise zeigten, wie wichtig Präzision, Ton und erzählerische Kontrolle sind.
Für Drehbuchautor:innen heißt das:
Tempo entsteht nicht durch Hektik.
Tempo entsteht durch Druck.
Durch Konsequenz.
Durch gutes Timing.
Durch Weglassen.
Durch Pausen, die etwas bedeuten.
Durch Szenen, die einander antreiben.
Gutes Tempo fragt nicht: Wie schnell ist die Geschichte?
Gutes Tempo fragt: Warum muss der nächste Moment genau jetzt kommen?
Besonders passend für Drehbuchautor:innen: Das Thema des Carl-Mayer-Drehbuchpreises 2026 lautete „Tempo“. Der Hauptpreis ging an Peter Pflügler für „Hans –or– Don’t Bury Me in the Grave of My Father“, der Förderpreis an Reza Rasouli für „Wurzel und Wind“. (Diagonale)
Das ist ein perfekter Anlass, über eine Frage nachzudenken, die beim Schreiben oft falsch verstanden wird:
Was bedeutet Tempo in einem Drehbuch wirklich?
Tempo heißt nicht: schnell erzählen
Viele denken bei Tempo zuerst an Geschwindigkeit.
Kurze Szenen.
Schnelle Schnitte.
Viel Handlung.
Viele Wendungen.
Ständige Bewegung.
Keine Pausen.
Das kann Tempo erzeugen. Aber es ist nicht automatisch gutes Tempo.
Ein Drehbuch kann sehr schnell sein und trotzdem langweilen.
Ein Drehbuch kann langsam sein und trotzdem fesseln.
Tempo ist nicht nur die Frage, wie schnell etwas passiert.
Tempo ist die Frage, wann etwas passiert, warum es passiert und welche Wirkung es auf die Geschichte hat.
Eine langsame Szene kann enorme Spannung haben, wenn wir spüren, dass etwas Unausgesprochenes im Raum steht. Eine schnelle Szene kann leer wirken, wenn sie nur Ereignisse aneinanderreiht, ohne dass sich etwas verändert.
Deshalb ist Tempo nicht einfach Geschwindigkeit.
Tempo ist Bedeutung in Bewegung.
Jede Szene braucht inneren Druck
Eine Szene wirkt nicht dadurch lebendig, dass viel passiert. Sie wirkt lebendig, wenn innerer Druck entsteht.
Zwei Figuren können zehn Minuten an einem Tisch sitzen und trotzdem Spannung erzeugen, wenn eine von ihnen etwas verheimlicht, die andere es ahnt und beide so tun, als ginge es um etwas Harmloses.
Umgekehrt kann eine Verfolgungsjagd langweilig sein, wenn wir nicht wissen, was wirklich auf dem Spiel steht.
Die wichtigste Frage lautet also nicht:
Wie mache ich die Szene schneller?
Sondern:
Was steht in dieser Szene unter Druck?
Eine Figur will etwas.
Eine andere blockiert es.
Eine Wahrheit droht sichtbar zu werden.
Eine Entscheidung rückt näher.
Eine Beziehung verändert sich.
Eine Lüge hält nicht mehr.
Ein Wunsch kollidiert mit Angst.
Dort entsteht Tempo.
Nicht durch Lautstärke.
Nicht durch hektische Handlung.
Sondern durch Spannung zwischen Wunsch und Widerstand.
„Wurzel und Wind“: Wenn jede kleine Geste Konsequenzen hat
In der Jurybegründung zum Carl-Mayer-Förderpreis für „Wurzel und Wind“ wird beschrieben, dass sich ein rasant verschachteltes, multiperspektivisches Drama entfaltet, in dem jede kleine Geste und jedes Detail Konsequenzen nach sich zieht. (Diagonale)
Das ist eine starke Form von Tempo.
Nicht unbedingt, weil alles äußerlich schnell sein muss. Sondern weil jede Entscheidung Folgen hat.
Genau das brauchen Drehbücher.
Wenn eine Szene keine Konsequenz hat, wirkt sie oft langsam — selbst wenn sie kurz ist.
Wenn eine Szene eine Folge auslöst, kann sie lange dauern und trotzdem tragen.
Tempo entsteht also durch Kausalität:
Weil diese Figur etwas tut, passiert das.
Weil sie schweigt, versteht jemand etwas falsch.
Weil sie lügt, muss sie später noch mehr lügen.
Weil sie hilft, gerät sie selbst in Gefahr.
Weil sie zu spät kommt, verändert sich die Beziehung.
Eine Geschichte bekommt Tempo, wenn die Szenen nicht nebeneinander stehen, sondern einander antreiben.
Die Pause ist auch Tempo
Drehbuchautor:innen sollten Pausen nicht fürchten.
Manchmal braucht eine Geschichte einen Moment, in dem nichts Spektakuläres passiert. Eine Figur schaut aus dem Fenster. Jemand räumt nach einem Streit den Tisch ab. Zwei Menschen sitzen nebeneinander und finden keine Worte.
Solche Momente können schwach sein, wenn sie nur Leerlauf sind.
Aber sie können sehr stark sein, wenn sie eine Veränderung sichtbar machen.
Eine Pause nach einer Entscheidung.
Ein Schweigen nach einer Lüge.
Ein Blick nach einer Verletzung.
Ein Atemzug vor einem Geständnis.
Auch das ist Tempo.
Denn Tempo bedeutet nicht, dass immer etwas Neues passieren muss. Tempo bedeutet, dass der Zuschauer spürt, wofür ein Moment da ist.
Wenn eine Pause Bedeutung hat, trägt sie.
Wenn eine Pause keine Bedeutung hat, bremst sie.
Thomas Pluch: Drehbuch als sichtbare Arbeit
Am 23. März 2026 wurden im Rahmen der Diagonale auch die Thomas-Pluch-Drehbuchpreise vergeben. Der Hauptpreis ging an Markus Schleinzer und Alexander Brom für „Rose“. Der Spezialpreis der Jury ging an Magdalena Chmielewska für „Teresas Körper“, der Preis für kurze oder mittellange Kino-Spielfilme an Angelika Spangel und Sophia Wiegele für „Ein Unfall“. Der Thomas-Pluch-Drehbuchpreis ist mit insgesamt 22.000 Euro dotiert. (BMWKMS)
Solche Preise sind wichtig, weil sie sichtbar machen, dass Drehbücher nicht nur Vorstufen sind. Sie sind eigenständige künstlerische Arbeit.
Gerade die Jurybegründungen zeigen oft, worauf beim Lesen geachtet wird:
Präzision.
Figurenführung.
Ton.
Struktur.
Dramaturgische Souveränität.
Das Nicht-Gesagte.
Die Fähigkeit, beim Lesen Bilder entstehen zu lassen.
Das ist für Communitys sehr lehrreich.
Denn gute Drehbucharbeit ist nicht nur „eine gute Idee haben“. Gute Drehbucharbeit zeigt sich in der Ausführung.
In der Szene.
Im Rhythmus.
Im Übergang.
Im Detail.
Im Weglassen.
Tempo entsteht durch Weglassen
Viele Drehbücher sind nicht zu langsam, weil zu wenig passiert.
Sie sind zu langsam, weil zu viel erklärt wird.
Figuren sagen, was man längst verstanden hat.
Szenen beginnen zu früh und enden zu spät.
Nebenhandlungen wiederholen dasselbe Thema.
Informationen werden doppelt gegeben.
Konflikte werden erklärt, statt gespielt.
Tempo verbessert man oft nicht, indem man mehr Handlung einfügt.
Tempo verbessert man, indem man genauer auswählt.
Wo beginnt die Szene wirklich?
Wann ist der Moment erreicht, in dem sie enden kann?
Welche Information braucht das Publikum jetzt?
Welche kann später kommen?
Welche muss nie gesagt werden, weil man sie sieht?
Drehbuchschreiben ist auch die Kunst, Vertrauen zu haben: Vertrauen in Bilder, in Verhalten, in Subtext und in das Publikum.
Communitys können Tempo sichtbar machen
Tempo ist schwer allein zu beurteilen.
Beim eigenen Text weiß man, was gemeint ist. Man kennt die Vorgeschichte. Man spürt die Absicht. Deshalb merkt man oft nicht, wo andere aussteigen.
Eine Drehbuch-Community kann hier sehr konkret helfen.
Statt allgemein zu sagen:
„Das ist zu langsam.“
kann man genauer fragen:
Wo hast du beim Lesen Energie gespürt?
Wo hast du angefangen zu überfliegen?
Welche Szene verändert wirklich etwas?
Welche Szene wiederholt nur, was wir schon wissen?
Wo kommt eine wichtige Information zu spät?
Wo kommt sie zu früh?
Welche Pause hatte Wirkung?
Welche Pause war Leerlauf?
So wird Tempo besprechbar.
Nicht als Geschmack.
Sondern als Wirkung.
Gutes Tempo bedeutet Kontrolle über Erwartung
Drehbücher arbeiten mit Erwartung.
Man gibt dem Publikum eine Frage:
Wird sie die Wahrheit sagen?
Kommt er rechtzeitig?
Findet die Familie heraus, was passiert ist?
Wird die Lüge halten?
Wird die Figur sich entscheiden?
Werden die beiden sich verraten?
Tempo entsteht dadurch, wie lange man diese Frage offenhält.
Zu kurz — und es entsteht keine Spannung.
Zu lang — und das Publikum verliert Geduld.
Genau richtig — und die Geschichte zieht.
Das ist Handwerk.
Man muss lernen, Informationen zu dosieren. Nicht alles sofort. Aber auch nicht alles künstlich verstecken. Das Publikum darf neugierig sein, aber nicht orientierungslos.
Ein Drehbuch mit gutem Tempo weiß, wann es Antworten gibt — und wann es neue Fragen öffnet.
Kleine Übung für diesen Monat
Nimm eine Szene aus deinem aktuellen Projekt und markiere drei Stellen:
1. Der Einstieg:
Wo beginnt die Szene wirklich? Kannst du die ersten Zeilen streichen?
2. Die Veränderung:
Was ist am Ende anders als am Anfang?
3. Der Ausstieg:
Endet die Szene im richtigen Moment — oder erklärst du danach noch weiter?
Dann schreibe die Szene in zwei neuen Versionen:
Version A: 30 Prozent kürzer.
Version B: mit einer bewussten Pause an der stärksten Stelle.
Vergleiche beide Versionen.
Welche hat mehr Druck?
Welche lässt mehr Raum?
Welche macht neugieriger auf die nächste Szene?
Frage an die Community
Wann empfindet ihr eine Szene als langsam?
Wenn wenig passiert?
Wenn zu viel erklärt wird?
Wenn die Figur kein Ziel hat?
Wenn keine neue Frage entsteht?
Wenn die Szene keine Konsequenz hat?
Und umgekehrt:
Welche ruhige Filmszene hat euch trotzdem gefesselt?
Solche Fragen helfen, Tempo nicht nur als Geschwindigkeit zu verstehen, sondern als dramaturgische Wirkung.
Fazit
Der März 2026 erinnert daran, dass Drehbuchtempo viel mehr ist als schnelle Handlung.
Die Diagonale machte Drehbucharbeit sichtbar. Der Carl-Mayer-Drehbuchpreis stellte mit dem Thema „Tempo“ eine zentrale dramaturgische Frage. Und die Thomas-Pluch-Drehbuchpreise zeigten, wie wichtig Präzision, Ton und erzählerische Kontrolle sind.
Für Drehbuchautor:innen heißt das:
Tempo entsteht nicht durch Hektik.
Tempo entsteht durch Druck.
Durch Konsequenz.
Durch gutes Timing.
Durch Weglassen.
Durch Pausen, die etwas bedeuten.
Durch Szenen, die einander antreiben.
Gutes Tempo fragt nicht: Wie schnell ist die Geschichte?
Gutes Tempo fragt: Warum muss der nächste Moment genau jetzt kommen?
Quellen
- Filmfonds Wien: „Diagonale-Preise 2026“, Informationen zur Diagonale 2026, Festivalzeitraum 18. bis 23. März 2026 und Dotierung der Drehbuchpreise.
https://www.filmfonds-wien.at/institution/aktuelles/260324_diagonale-preise-2026 - Diagonale: „Carl-Mayer-Drehbuchpreise 2026“, Thema „TEMPO“, Hauptpreis für Peter Pflügler und Förderpreis für Reza Rasouli.
https://www.diagonale.at/carl-mayer-drehbuchpreise-26/ - Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport: „Thomas Pluch Drehbuchpreis 2026: Die Preisfilme“, Preisträger:innen und Dotierung.
https://www.bmwkms.gv.at/themen/aktuell/thomas-pluch-drehbuchpreis-2026.html - Drehbuchverband Austria: „Thomas Pluch Drehbuchpreis 2026 Preisträger*innen“, Preisverleihung am 23. März 2026 im Rahmen der Diagonale.
https://www.drehbuchverband.at/pluchpreis/