Networking ist nicht Smalltalk - es ist Teil des Handwerks

Networking ist nicht Smalltalk - es ist Teil des Handwerks

Viele Autor:innen mögen das Wort Networking nicht.

Es klingt nach Visitenkarten.
Nach Smalltalk.
Nach „sich verkaufen“.
Nach Veranstaltungen, auf denen man möglichst souverän wirken muss.

Aber gutes Networking ist etwas anderes.

Es bedeutet nicht, laut aufzutreten.
Es bedeutet nicht, sich wichtiger zu machen, als man ist.
Und es bedeutet auch nicht, jeden Kontakt sofort in eine Chance verwandeln zu müssen.

Im besten Fall bedeutet Networking etwas viel Einfacheres:

Man findet Menschen, mit denen man über Geschichten sprechen kann.

Für Drehbuchautor:innen ist das wichtig. Schreiben findet zwar oft allein statt, aber Film und Serie entstehen nie allein. Früher oder später braucht ein Stoff andere Menschen: Feedback, Produktion, Regie, Redaktion, Förderung, Publikum - oder einfach jemanden, der ehrlich sagt:

„Ich verstehe noch nicht, worum es wirklich geht.“

Das FILMFEST HAMBURG 2025 war dafür ein guter Anlass. Vom 25. September bis 4. Oktober 2025 brachte es Filme, Publikum und Branche zusammen. Für Drehbuchschreibende besonders interessant war die Screenwriters’ Lounge Hamburg am 28. September 2025: ein Treffpunkt für Autor:innen, Filmschaffende und Interessierte, unterstützt vom Deutschen Drehbuchverband.

Dort ging es unter anderem um Pitchpaper, Networking, Verträge und die Frage, wo neue Stoffe entstehen, wenn viele bekannte Marken und IPs bereits ausgewertet sind.

Das ist genau der Punkt:

Networking beginnt nicht erst, wenn ein Projekt fertig ist.

Es beginnt viel früher.

Wenn man eine Logline ausprobiert.
Wenn man eine Szene laut liest.
Wenn man merkt, dass die Hauptfigur noch nicht klar genug ist.
Wenn man eine Frage stellt, statt so zu tun, als wüsste man schon alles.

Eine Community ist auch ein Netzwerk

Wenn drehbuch.community deutschsprachige Drehbuchautor:innen verbinden will, dann geht es nicht nur darum, Links zu sammeln.

Es geht darum, echte Verbindungen herzustellen:

  • zwischen Anfänger:innen und Erfahrenen
  • zwischen Foren, Discords und Schreibgruppen
  • zwischen Menschen, die allein schreiben, und Menschen, die Feedback geben können
  • zwischen Ideen, Fragen, Projekten und Erfahrungen

Eine Community wird nicht dadurch stark, dass viele Menschen angemeldet sind.

Sie wird stark, wenn Menschen einander wirklich weiterhelfen.

Das kann klein anfangen:

  • Jemand liest eine Logline.
  • Jemand erklärt den Unterschied zwischen Exposé und Treatment.
  • Jemand teilt eine Ausschreibung.
  • Jemand sagt ehrlich, warum eine Szene noch nicht funktioniert.
  • Jemand macht Mut, nach einer Absage weiterzuschreiben.

Solche Dinge wirken unspektakulär. Aber genau daraus entsteht Vertrauen.

Und Vertrauen ist die Grundlage jedes guten Netzwerks.

Networking ohne Maske

Man muss beim Networking nicht so tun, als wäre man schon weiter, als man ist.

Niemand muss behaupten, ein perfektes Drehbuch zu haben.
Niemand muss alle Branchenbegriffe kennen.
Niemand muss auf jedem Festival souverän auftreten.
Niemand muss sofort mit Produzent:innen sprechen.

Es ist völlig legitim zu sagen:

„Ich schreibe gerade an meinem ersten Kurzfilm.“
„Ich suche eine Schreibgruppe.“
„Ich weiß noch nicht, ob meine Idee trägt.“
„Ich möchte lernen, besser Feedback zu geben.“
„Ich brauche Hilfe bei meiner Logline.“​

Ehrlichkeit ist oft hilfreicher als Selbstinszenierung.

Gerade eine Drehbuch-Community sollte deshalb nicht nur Erfolge zeigen, sondern auch Prozesse.

Nicht nur Premieren.
Auch erste Entwürfe.

Nicht nur Preise.
Auch Überarbeitungen.

Nicht nur fertige Drehbücher.
Auch Fragen.

Mini-Übung: Stell dein Projekt in drei Stufen vor

Nimm ein Projekt, an dem du gerade arbeitest, und schreibe drei Versionen:

  1. Ein Satz: Worum geht es im Kern?
  2. Drei Sätze: Wer ist die Hauptfigur, was will sie, was steht auf dem Spiel?
  3. Ein Absatz: Was macht den Stoff besonders?

Dann gib die Versionen einer anderen Person und frage nur:

  • Was bleibt hängen?
  • Was ist unklar?
  • Welche Figur interessiert dich?
  • Welche Frage entsteht bei dir?

Wichtig: Erkläre nicht sofort alles nach.

Höre erst zu.

Denn genau das ist Networking im besten Sinn: Du testest nicht nur, ob jemand deine Idee mag. Du lernst, wie deine Geschichte bei anderen ankommt.

Community-Übung

Stell dich oder dein aktuelles Projekt in den Kommentaren kurz vor.

Du kannst diese Vorlage nutzen:

Ich schreibe gerade an:
Kurzfilm / Serie / Langfilm / Exposé / Treatment / Szene / Logline / etwas anderem

Mein Stoff handelt von:
Ein Satz reicht.

Ich suche gerade:
Feedback / Austausch / Schreibgruppe / Logline-Hilfe / Pitch-Übung / Motivation / Links / Erfahrungen

Ich kann anderen helfen bei:
Loglines / Figurenfragen / Dialog / Struktur / Recherche / Software / Festival- oder Fördertipps / ehrlichem Feedback​

Kleine Feedback-Regel:

Wenn jemand sich oder ein Projekt vorstellt, antworten wir nicht mit einem schnellen Urteil.

Besser sind konkrete Rückfragen:

  • Was ist für dich der Kern der Geschichte?
  • Wer steht im Zentrum?
  • Was steht auf dem Spiel?
  • Wo brauchst du gerade Feedback?
  • Welche Art von Austausch suchst du?

So wird Networking nicht zu Smalltalk.

Sondern zu Handwerk.

Frage an euch:

Wo findet ihr als Drehbuchschreibende echten Austausch - und was fehlt euch dabei noch?
 
Last edited:
Jonas Weber

Jonas Weber