Im April 2026 fand in Potsdam die 55. Ausgabe des Internationalen Studierendenfilmfestivals Sehsüchte statt. Das Festival lief vom 22. bis 26. April 2026 an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF und gehört laut Filmuniversität zu den größten internationalen Studierendenfilmfestivals Europas. Das Motto 2026 lautete „What’s left?“ — eine Frage nach dem, was von Idealen, Heimat, Hoffnungen, Ängsten und Zukunftsbildern übrig bleibt.
Für Drehbuchschreibende war besonders interessant: Im Programm gab es auch „Schreibsüchte: Kopfkino“, eine szenische Lesung, bei der Schauspielstudierende der Filmuniversität Auszüge aus den für den Drehbuchwettbewerb nominierten Werken der Sektion Schreibsüchte vortrugen.
Das ist ein guter Anlass für eine wichtige Frage:
Was brauchen junge Drehbuchautor:innen wirklich?
Nicht nur Talent.
Nicht nur gute Ideen.
Nicht nur Durchhaltevermögen.
Sondern Räume.
Ein Drehbuch ist kein Roman. Es ist für Schauspiel, Bild, Rhythmus, Pause, Blick und Handlung geschrieben.
Trotzdem verbringen viele Autor:innen sehr lange allein mit dem Text.
Man liest Dialoge still.
Man stellt sich Stimmen vor.
Man glaubt, eine Szene funktioniere, weil sie auf der Seite logisch aussieht.
Aber sobald ein Text laut gelesen wird, verändert sich alles.
Plötzlich merkt man:
Der Dialog ist zu erklärend.
Der Rhythmus stimmt nicht.
Eine Figur klingt wie die andere.
Eine Pause ist stärker als ein Satz.
Ein Witz funktioniert nicht.
Ein Satz, der geschrieben schön war, klingt gesprochen künstlich.
Eine Szene hat Energie, obwohl sie noch unfertig ist.
Deshalb sind szenische Lesungen für Drehbuchautor:innen so wertvoll.
Sie machen sichtbar und hörbar, was auf der Seite nur behauptet wird.
Viele junge Autor:innen schreiben lange im Verborgenen.
Aus Angst, dass es noch nicht gut genug ist.
Aus Angst vor Kritik.
Aus Unsicherheit, ob die Idee trägt.
Aus dem Gefühl, erst „fertig“ sein zu müssen, bevor man etwas zeigen darf.
Aber niemand lernt Drehbuchschreiben nur im eigenen Kopf.
Man braucht Resonanz.
Nicht unbedingt ein großes Publikum.
Nicht sofort eine Produktionsfirma.
Nicht sofort einen Preis.
Aber Menschen, die zuhören.
Eine gute Frage kann mehr helfen als ein schneller Ratschlag.
Eine ehrliche Rückmeldung kann einen Stoff retten.
Eine szenische Lesung kann zeigen, wo ein Dialog lebt.
Ein Gespräch nach einer Szene kann klären, was der Text wirklich verspricht.
Nachwuchs braucht Räume, in denen unfertige Texte ernst genommen werden.
Nicht lächerlich gemacht.
Nicht weichgespült.
Sondern ernsthaft gelesen.
Das Motto von Sehsüchte 2026 war „What’s left?“. Laut Festival ging es darum, einfache Antworten zu vermeiden, Komplexität auszuhalten und zwischen Erschütterung und Aufbruch neue Perspektiven zu suchen.
Für Drehbuchautor:innen ist das eine starke Frage.
Was bleibt, wenn eine Figur verliert, woran sie geglaubt hat?
Was bleibt, wenn eine Familie auseinanderbricht?
Was bleibt, wenn ein Traum scheitert?
Was bleibt, wenn ein Ort nicht mehr Heimat ist?
Was bleibt, wenn eine Generation merkt, dass die alten Versprechen nicht mehr tragen?
Viele gute Geschichten beginnen genau dort.
Nicht beim perfekten Plan.
Sondern bei dem Moment, in dem etwas wegbricht.
Wenn alles sicher ist, gibt es oft keine Geschichte.
Wenn etwas verloren geht, muss eine Figur handeln.
Dramaturgisch gefragt:
Was bleibt der Figur, wenn ihr wichtigster Halt verschwindet?
Das kann der Anfang eines starken Films sein.
Festivals wie Sehsüchte sind wichtig, weil sie Menschen zusammenbringen. Sie geben jungen Filmschaffenden Sichtbarkeit, Austausch und einen Moment Öffentlichkeit. Die Filmuniversität beschreibt Sehsüchte als Plattform, die innovativen Ideen, inspirierendem Austausch, kreativer Vielfalt und jungen Filmschaffenden aus aller Welt Raum gibt.
Aber ein Festival dauert nur wenige Tage.
Eine Community kann bleiben.
Genau hier kann drehbuch.community eine Aufgabe übernehmen.
Nicht als Ersatz für Festivals, Hochschulen oder Wettbewerbe.
Sondern als Ergänzung.
Ein Blog und eine Community können regelmäßig kleine Räume schaffen:
Logline-Runden
Kurze Ideen werden vorgestellt und gemeinsam geschärft.
Szenenlesungen
Eine Szene wird laut gelesen oder als Audio/Video ausprobiert.
Feedback-Werkstatt
Texte werden nicht bewertet, sondern gezielt befragt.
Monatliche Schreibaufgabe
Alle schreiben zum selben Impuls und vergleichen, wie unterschiedlich Geschichten entstehen.
Community-Vorstellungen
Schreibgruppen, Discords, Foren, Hochschulprojekte und freie Initiativen werden sichtbar.
So entsteht nicht nur Content. Es entsteht Verbindung.
Talent ist schön. Aber Talent allein trägt selten durch ein ganzes Drehbuch.
Man braucht Handwerk.
Man braucht Ausdauer.
Man braucht Überarbeitung.
Man braucht Kritikfähigkeit.
Man braucht Menschen, die den Text lesen.
Man braucht die Bereitschaft, Szenen zu streichen, die man liebt.
Man braucht Mut, unfertige Fassungen zu zeigen.
Viele junge Autor:innen scheitern nicht, weil sie keine Ideen haben. Sie scheitern, weil sie allein bleiben.
Allein mit Zweifeln.
Allein mit Strukturproblemen.
Allein mit Absagen.
Allein mit der Frage, ob der Stoff überhaupt funktioniert.
Eine Community kann das nicht alles lösen. Aber sie kann verhindern, dass Schreiben komplett isoliert passiert.
Ein Missverständnis: Ein guter Schreibraum muss nicht bedeuten, dass alle immer alles loben.
Zu viel Lob hilft nicht.
Zu harte Kritik zerstört.
Aber präzise Rückmeldung bringt weiter.
Ein guter Raum ist freundlich, aber ehrlich.
Er sagt nicht nur:
„Schön geschrieben.“
Sondern:
„Die Atmosphäre ist stark, aber ich weiß noch nicht, was die Figur will.“
Er sagt nicht nur:
„Das funktioniert nicht.“
Sondern:
„Ich verliere ab Seite zwei die Orientierung, weil der Konflikt noch nicht sichtbar wird.“
Er sagt nicht nur:
„Mach es spannender.“
Sondern:
„Vielleicht beginnt die Szene zu früh. Der eigentliche Druck entsteht erst im letzten Drittel.“
So lernt man.
Nicht durch Geschmack.
Sondern durch Beobachtung.
Das Wort Nachwuchs klingt manchmal so, als ginge es um Menschen, die später einmal relevant werden.
Aber junge Autor:innen, Studierende, Quereinsteiger:innen und erste Schreibgruppen sind nicht nur die Zukunft der Szene. Sie sind bereits Teil der Szene.
Sie bringen andere Themen mit.
Andere Formen.
Andere Medienerfahrungen.
Andere Fragen.
Andere Widersprüche.
Andere Lebensrealitäten.
Gerade deshalb sind Nachwuchsformate wichtig.
Nicht, weil sie „Übung“ für die richtige Branche sind. Sondern weil dort oft Stoffe entstehen, die etablierte Strukturen noch nicht sehen.
Eine Drehbuch-Community sollte Nachwuchs deshalb nicht von oben behandeln.
Nicht:
„Wir erklären euch, wie es geht.“
Sondern:
„Wir lernen gemeinsam, was Geschichten heute brauchen.“
Wenn drehbuch.community verschiedene deutschsprachige Drehbuch-Communitys verbinden will, geht es nicht nur darum, dass Anfänger:innen von Profis lernen.
Auch etablierte Gruppen können vom Nachwuchs lernen.
Zum Beispiel:
Wie spricht eine jüngere Generation über Identität, Arbeit, Familie, Klima, Körper, Einsamkeit oder digitale Nähe?
Welche Erzählformen entstehen durch TikTok, Discord, YouTube, Games oder Webserien?
Welche Themen fehlen im klassischen Film- und Fernsehdenken?
Welche Figuren wurden zu lange übersehen?
Welche alten Regeln helfen — und welche blockieren?
Voneinander lernen bedeutet nicht: Erfahrung spricht, Nachwuchs hört zu.
Es bedeutet Austausch in beide Richtungen.
Nimm eine Szene aus deinem aktuellen Projekt und lies sie laut.
Noch besser: Gib sie zwei anderen Personen zum Lesen.
Achte dabei nicht zuerst darauf, ob sie „gut“ klingt. Achte auf diese Fragen:
Danach streiche drei erklärende Sätze.
Nicht, weil Erklärung immer falsch ist. Sondern weil du prüfen sollst, ob Handlung, Blick, Pause oder Konflikt mehr erzählen können als Worte.
Welche Räume haben euch beim Schreiben wirklich geholfen?
Ein Festival?
Eine Hochschule?
Eine Schreibgruppe?
Ein Discord?
Ein Forum?
Eine Lesung?
Ein einzelner Mensch, der gute Fragen gestellt hat?
Und falls ihr so einen Raum noch nicht habt:
Was müsste passieren, damit ihr euch traut, einen unfertigen Text zu zeigen?
Genau diese Frage ist für drehbuch.community wichtig. Denn wenn wir deutschsprachige Drehbuch-Communitys verbinden wollen, müssen wir Räume schaffen, in denen Lernen möglich ist.
Der April 2026 erinnert daran, wie wichtig Nachwuchsformate für die Drehbuchszene sind.
Sehsüchte gab jungen Filmschaffenden eine Bühne. Das Motto „What’s left?“ fragte nach Verlust, Verantwortung, Hoffnung und neuen Perspektiven. Die Sektion Schreibsüchte zeigte, dass Drehbücher nicht nur gelesen, sondern auch gehört und erlebt werden können.
Für Drehbuchautor:innen ist das eine klare Lektion:
Schreiben braucht nicht nur Talent.
Schreiben braucht Räume.
Räume für unfertige Texte.
Räume für ehrliches Feedback.
Räume für Lesungen.
Räume für Nachwuchs.
Räume für Fragen, Zweifel und neue Perspektiven.
Genau so kann Community entstehen.
Nicht als Kommentarspalte.
Sondern als Resonanzraum.
Nachwuchs braucht nicht nur die Chance, entdeckt zu werden.
Nachwuchs braucht die Möglichkeit, gemeinsam besser zu werden.
Für Drehbuchschreibende war besonders interessant: Im Programm gab es auch „Schreibsüchte: Kopfkino“, eine szenische Lesung, bei der Schauspielstudierende der Filmuniversität Auszüge aus den für den Drehbuchwettbewerb nominierten Werken der Sektion Schreibsüchte vortrugen.
Das ist ein guter Anlass für eine wichtige Frage:
Was brauchen junge Drehbuchautor:innen wirklich?
Nicht nur Talent.
Nicht nur gute Ideen.
Nicht nur Durchhaltevermögen.
Sondern Räume.
Ein Text verändert sich, wenn er laut wird
Ein Drehbuch ist kein Roman. Es ist für Schauspiel, Bild, Rhythmus, Pause, Blick und Handlung geschrieben.
Trotzdem verbringen viele Autor:innen sehr lange allein mit dem Text.
Man liest Dialoge still.
Man stellt sich Stimmen vor.
Man glaubt, eine Szene funktioniere, weil sie auf der Seite logisch aussieht.
Aber sobald ein Text laut gelesen wird, verändert sich alles.
Plötzlich merkt man:
Der Dialog ist zu erklärend.
Der Rhythmus stimmt nicht.
Eine Figur klingt wie die andere.
Eine Pause ist stärker als ein Satz.
Ein Witz funktioniert nicht.
Ein Satz, der geschrieben schön war, klingt gesprochen künstlich.
Eine Szene hat Energie, obwohl sie noch unfertig ist.
Deshalb sind szenische Lesungen für Drehbuchautor:innen so wertvoll.
Sie machen sichtbar und hörbar, was auf der Seite nur behauptet wird.
Nachwuchs braucht Resonanz
Viele junge Autor:innen schreiben lange im Verborgenen.
Aus Angst, dass es noch nicht gut genug ist.
Aus Angst vor Kritik.
Aus Unsicherheit, ob die Idee trägt.
Aus dem Gefühl, erst „fertig“ sein zu müssen, bevor man etwas zeigen darf.
Aber niemand lernt Drehbuchschreiben nur im eigenen Kopf.
Man braucht Resonanz.
Nicht unbedingt ein großes Publikum.
Nicht sofort eine Produktionsfirma.
Nicht sofort einen Preis.
Aber Menschen, die zuhören.
Eine gute Frage kann mehr helfen als ein schneller Ratschlag.
Eine ehrliche Rückmeldung kann einen Stoff retten.
Eine szenische Lesung kann zeigen, wo ein Dialog lebt.
Ein Gespräch nach einer Szene kann klären, was der Text wirklich verspricht.
Nachwuchs braucht Räume, in denen unfertige Texte ernst genommen werden.
Nicht lächerlich gemacht.
Nicht weichgespült.
Sondern ernsthaft gelesen.
„What’s left?“ ist auch eine Drehbuchfrage
Das Motto von Sehsüchte 2026 war „What’s left?“. Laut Festival ging es darum, einfache Antworten zu vermeiden, Komplexität auszuhalten und zwischen Erschütterung und Aufbruch neue Perspektiven zu suchen.
Für Drehbuchautor:innen ist das eine starke Frage.
Was bleibt, wenn eine Figur verliert, woran sie geglaubt hat?
Was bleibt, wenn eine Familie auseinanderbricht?
Was bleibt, wenn ein Traum scheitert?
Was bleibt, wenn ein Ort nicht mehr Heimat ist?
Was bleibt, wenn eine Generation merkt, dass die alten Versprechen nicht mehr tragen?
Viele gute Geschichten beginnen genau dort.
Nicht beim perfekten Plan.
Sondern bei dem Moment, in dem etwas wegbricht.
Wenn alles sicher ist, gibt es oft keine Geschichte.
Wenn etwas verloren geht, muss eine Figur handeln.
Dramaturgisch gefragt:
Was bleibt der Figur, wenn ihr wichtigster Halt verschwindet?
Das kann der Anfang eines starken Films sein.
Communitys können Räume schaffen, die Festivals nur manchmal bieten
Festivals wie Sehsüchte sind wichtig, weil sie Menschen zusammenbringen. Sie geben jungen Filmschaffenden Sichtbarkeit, Austausch und einen Moment Öffentlichkeit. Die Filmuniversität beschreibt Sehsüchte als Plattform, die innovativen Ideen, inspirierendem Austausch, kreativer Vielfalt und jungen Filmschaffenden aus aller Welt Raum gibt.
Aber ein Festival dauert nur wenige Tage.
Eine Community kann bleiben.
Genau hier kann drehbuch.community eine Aufgabe übernehmen.
Nicht als Ersatz für Festivals, Hochschulen oder Wettbewerbe.
Sondern als Ergänzung.
Ein Blog und eine Community können regelmäßig kleine Räume schaffen:
Logline-Runden
Kurze Ideen werden vorgestellt und gemeinsam geschärft.
Szenenlesungen
Eine Szene wird laut gelesen oder als Audio/Video ausprobiert.
Feedback-Werkstatt
Texte werden nicht bewertet, sondern gezielt befragt.
Monatliche Schreibaufgabe
Alle schreiben zum selben Impuls und vergleichen, wie unterschiedlich Geschichten entstehen.
Community-Vorstellungen
Schreibgruppen, Discords, Foren, Hochschulprojekte und freie Initiativen werden sichtbar.
So entsteht nicht nur Content. Es entsteht Verbindung.
Talent ist nicht genug
Talent ist schön. Aber Talent allein trägt selten durch ein ganzes Drehbuch.
Man braucht Handwerk.
Man braucht Ausdauer.
Man braucht Überarbeitung.
Man braucht Kritikfähigkeit.
Man braucht Menschen, die den Text lesen.
Man braucht die Bereitschaft, Szenen zu streichen, die man liebt.
Man braucht Mut, unfertige Fassungen zu zeigen.
Viele junge Autor:innen scheitern nicht, weil sie keine Ideen haben. Sie scheitern, weil sie allein bleiben.
Allein mit Zweifeln.
Allein mit Strukturproblemen.
Allein mit Absagen.
Allein mit der Frage, ob der Stoff überhaupt funktioniert.
Eine Community kann das nicht alles lösen. Aber sie kann verhindern, dass Schreiben komplett isoliert passiert.
Gute Räume sind nicht automatisch nette Räume
Ein Missverständnis: Ein guter Schreibraum muss nicht bedeuten, dass alle immer alles loben.
Zu viel Lob hilft nicht.
Zu harte Kritik zerstört.
Aber präzise Rückmeldung bringt weiter.
Ein guter Raum ist freundlich, aber ehrlich.
Er sagt nicht nur:
„Schön geschrieben.“
Sondern:
„Die Atmosphäre ist stark, aber ich weiß noch nicht, was die Figur will.“
Er sagt nicht nur:
„Das funktioniert nicht.“
Sondern:
„Ich verliere ab Seite zwei die Orientierung, weil der Konflikt noch nicht sichtbar wird.“
Er sagt nicht nur:
„Mach es spannender.“
Sondern:
„Vielleicht beginnt die Szene zu früh. Der eigentliche Druck entsteht erst im letzten Drittel.“
So lernt man.
Nicht durch Geschmack.
Sondern durch Beobachtung.
Nachwuchs heißt nicht: noch nicht wichtig
Das Wort Nachwuchs klingt manchmal so, als ginge es um Menschen, die später einmal relevant werden.
Aber junge Autor:innen, Studierende, Quereinsteiger:innen und erste Schreibgruppen sind nicht nur die Zukunft der Szene. Sie sind bereits Teil der Szene.
Sie bringen andere Themen mit.
Andere Formen.
Andere Medienerfahrungen.
Andere Fragen.
Andere Widersprüche.
Andere Lebensrealitäten.
Gerade deshalb sind Nachwuchsformate wichtig.
Nicht, weil sie „Übung“ für die richtige Branche sind. Sondern weil dort oft Stoffe entstehen, die etablierte Strukturen noch nicht sehen.
Eine Drehbuch-Community sollte Nachwuchs deshalb nicht von oben behandeln.
Nicht:
„Wir erklären euch, wie es geht.“
Sondern:
„Wir lernen gemeinsam, was Geschichten heute brauchen.“
Was etablierte Communitys vom Nachwuchs lernen können
Wenn drehbuch.community verschiedene deutschsprachige Drehbuch-Communitys verbinden will, geht es nicht nur darum, dass Anfänger:innen von Profis lernen.
Auch etablierte Gruppen können vom Nachwuchs lernen.
Zum Beispiel:
Wie spricht eine jüngere Generation über Identität, Arbeit, Familie, Klima, Körper, Einsamkeit oder digitale Nähe?
Welche Erzählformen entstehen durch TikTok, Discord, YouTube, Games oder Webserien?
Welche Themen fehlen im klassischen Film- und Fernsehdenken?
Welche Figuren wurden zu lange übersehen?
Welche alten Regeln helfen — und welche blockieren?
Voneinander lernen bedeutet nicht: Erfahrung spricht, Nachwuchs hört zu.
Es bedeutet Austausch in beide Richtungen.
Kleine Übung für diesen Monat
Nimm eine Szene aus deinem aktuellen Projekt und lies sie laut.
Noch besser: Gib sie zwei anderen Personen zum Lesen.
Achte dabei nicht zuerst darauf, ob sie „gut“ klingt. Achte auf diese Fragen:
- Klingen die Figuren unterschiedlich?
- Gibt es einen Satz, der beim Sprechen künstlich wirkt?
- Wo entsteht von selbst eine Pause?
- Wo verliert die Szene Energie?
- Versteht man, was die Figur will, ohne dass sie es erklärt?
- Was bleibt nach der Szene hängen?
Danach streiche drei erklärende Sätze.
Nicht, weil Erklärung immer falsch ist. Sondern weil du prüfen sollst, ob Handlung, Blick, Pause oder Konflikt mehr erzählen können als Worte.
Frage an die Community
Welche Räume haben euch beim Schreiben wirklich geholfen?
Ein Festival?
Eine Hochschule?
Eine Schreibgruppe?
Ein Discord?
Ein Forum?
Eine Lesung?
Ein einzelner Mensch, der gute Fragen gestellt hat?
Und falls ihr so einen Raum noch nicht habt:
Was müsste passieren, damit ihr euch traut, einen unfertigen Text zu zeigen?
Genau diese Frage ist für drehbuch.community wichtig. Denn wenn wir deutschsprachige Drehbuch-Communitys verbinden wollen, müssen wir Räume schaffen, in denen Lernen möglich ist.
Fazit
Der April 2026 erinnert daran, wie wichtig Nachwuchsformate für die Drehbuchszene sind.
Sehsüchte gab jungen Filmschaffenden eine Bühne. Das Motto „What’s left?“ fragte nach Verlust, Verantwortung, Hoffnung und neuen Perspektiven. Die Sektion Schreibsüchte zeigte, dass Drehbücher nicht nur gelesen, sondern auch gehört und erlebt werden können.
Für Drehbuchautor:innen ist das eine klare Lektion:
Schreiben braucht nicht nur Talent.
Schreiben braucht Räume.
Räume für unfertige Texte.
Räume für ehrliches Feedback.
Räume für Lesungen.
Räume für Nachwuchs.
Räume für Fragen, Zweifel und neue Perspektiven.
Genau so kann Community entstehen.
Nicht als Kommentarspalte.
Sondern als Resonanzraum.
Nachwuchs braucht nicht nur die Chance, entdeckt zu werden.
Nachwuchs braucht die Möglichkeit, gemeinsam besser zu werden.
Quellen
- Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF: „55. Internationales Studierendenfilmfestival Sehsüchte“, Festivalzeitraum 22. bis 26. April 2026, Ort und Motto.
https://www.filmuniversitaet.de/artikel/detail/55-internationale-studierendenfilmfestival-sehsuechte - Sehsüchte: „Das Festival“, Informationen zur 55. Ausgabe, Motto „What’s left?“ und inhaltliche Ausrichtung.
https://sehsuechte.de/das-festival/ - Sehsüchte: Programm 2026, unter anderem „Schreibsüchte: Kopfkino“ und weitere Programmpunkte.
https://sehsuechte.de/programm